Pietro Andrea Mattioli
| GND-Nummer(n) | Datensatz nicht vorhanden oder nicht recherchiert |
| Namensvariante(n) | Petrus Andreas Matthiolus |
| Geburtsdatum | 12.3.1501 |
| Geburtsort | Siena |
| Sterbedatum | 1577 |
| Sterbeort | Trient |
Vita
italienischer Arzt, kaiserlicher Leibarzt und Botaniker; Sohn eines Arztes; nachdem er sich gegen ein Studium der Jurisprudenz entschieden hatte, studierte er in Padua (?, ?) Medizin; Dr. med. Padua (1523)
abweichendes Geburtsdatum lt. DNB: 1500 Leben
Mattioli war der Sohn eines praktischen Arztes und verlebte seine Jugend in Venedig. Er absolvierte in Padua zunächst an der Artistenfakultät die Vorbereitung für ein Studium der Jurisprudenz, entschied sich dann jedoch für die Medizin. 1523 wurde er in Medizin promoviert. Um seine chirurgischen Fertigkeiten zu verbessern, wechselte er anschließend nach Perugia zu Gregorio Caravita. Zwischen 1521 und 1527 befand er sich zeitweise in Rom, wo er im Ospedale di Santo Spirito und im Xenodochium San Giacomo für unheilbar Kranke praktizierte. In diese Zeit fallen auch seine ersten Studien zur Botanik.
1527 trat Mattioli in die Dienste des Kardinals und Bischofs von Trient, Bernhard von Cles, dessen Palast er ein kunstgeschichtlich bedeutsames Gedicht widmete (1539). Er arbeitete als praktischer Arzt in Valle Anania bei Trient, ab 1539 in Görz in der damals habsburgischen Grafschaft Görz. In den Südalpen erwarb er seine immense Kenntnis der Alpenflora.
Aus Görz berief ihn der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Ferdinand I. 1554 oder 1555 nach Prag und ernannte ihn zum Leibarzt seines Sohnes Erzherzog Ferdinand II. Mattioli stand am Hof in hohem Ansehen und wurde 1562 in den Adelsstand erhoben und zum Hofrat ernannt. Als nach dem Tod des Kaisers 1564 Maximilian II. dessen Nachfolge antrat, ließ dieser sich Mattioli von seinem Bruder als Leibarzt abtreten. 1568 reichte Mattioli seinen Abschied ein und kehrte nach Italien zurück, wo er 1577 in Trient einer Pestepidemie zum Opfer fiel. Werk Trifolium acetosum (Oxalis) aus Commentarii…
Mattioli war nicht nur Verfasser fachmedizinischer Schriften, sondern ein Vertreter des volkssprachlichen Renaissance-Humanismus, der durch die Übersetzung wissenschaftlicher Werke aus dem Griechischen und Lateinischen gelehrtes Wissen in seiner Muttersprache popularisierte und dadurch zugleich deren Vokabular und wissenschaftliche Ausdrucksmöglichkeiten erweiterte.
Als Übersetzer war er beteiligt an Jacopo Gastaldis Ausgabe der Geographie des Ptolemäus (1547/48), erfolgreich war er jedoch vor allem als Übersetzer und Kommentator der Materia medica des Dioscurides. 1544 veröffentlichte er seine italienische Übersetzung der Materia medica auf der Grundlage der lateinischen Übersetzung von Jean Ruel (1516), mit einem umfangreichen eigenen, ebenfalls italienischsprachigen Kommentar, in dieser ersten Ausgabe noch ohne Abbildungen. 1548 erschien eine zweite, um ein sechstes Buch über die Antidote erweiterte Ausgabe, 1550 und 1551 eine dritte, nochmals erweiterte Ausgabe. 1554 veröffentlichte Mattioli dann unter dem Titel Commentarrii in sex libros Pedacii Dioscoridis eine vollständig überarbeitete lateinische Fassung seines Kommentars, zusammen mit einem lateinischen Text, der nur geringfügig von Jean Ruels Text abwich. Ausgestattet war diese Ausgabe erstmals auch mit 563 Holzschnitten, die dann ab der vierten italienischen Ausgabe von 1555 auch in deren Neuauflagen übernommen wurden.
Dank der finanziellen Unterstützung der Habsburger erschienen zwei Prachtausgaben in der Prager Offizin von Georg Melantrich von Aventin, die eine von Thaddäus Hajek aus dem Lateinischen übertragen ins Tschechische (1562), die andere aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt von Georg Handsch (Neuw Kreütterbuch, 1563). Aufgrund der großen Nachfrage gab Joachim Camerarius der Jüngere später die Hand'sche Übertragung noch einmal in einer neuen Bearbeitung heraus (Kreutterbuch 1586), teilweise ergänzt durch Abbildungen aus dem Nachlass Conrad Gesners.
Mattioli beschrieb eine Reihe von Arten, die in den Kräuterbüchern der Väter der Botanik (Otto Brunfels – Hieronymus Bock – Leonhart Fuchs) nicht enthalten sind. So beschrieb er als einer der ersten im Jahre 1544 die aus Amerika eingeführte Tomate und bezeichnete die gelben Formen als mala aurea, „goldene Äpfel“. Auch die erste Abbildung der Rosskastanie in einem europäischen Kräuterbuch stammt von ihm. Über diesen Baum hatte ihm Willem Quackelbeen (1527–1561) in einem Brief aus Istanbul berichtet, wo dieser Arzt des Botschafters Ogier Ghiselin de Busbecq von Kaiser Ferdinand I. am Hof Sultan Süleymans I. war. Mattiolis Werk war außerordentlich erfolgreich. Giuseppe Moretti (1782–1853) besaß 40 verschiedene Ausgaben und konnte 21 weitere in Bibliotheken konsultieren. Allein in der Zeit bis 1563 sollen laut Peter Handsch vber die zwy vnnd dreyssig tausendt Exemplar verkauft worden sein.
Schwiegersohn von Thaddaeus Hagecius.
Zahlr. Lit'angaben in DBI.
Literatur
- La vita di Pietro Andrea Mattioli, raccolta dalle sue opere da Giuseppe Fabiani e pubblicata con aggiunte ed annotazioni, hrsg. v. Luciano Banchi, Siena 1872. (detaillierte Ansicht)
- Mirjam Bohatcová: Prager Drucke der Werke Pierandrea Mattiolis aus den Jahren 1558 - 1602, in: Gutenberg-Jahrbuch 60 (1985), S. 167-185. (detaillierte Ansicht)
- Mirjam Bohatsová: Prager Drucke der Werke Pierandrea Mattiolis, in: Gutenberg-Jahrbuch 60 (1985), S. 167-185. (detaillierte Ansicht)
- Candice Delisle: The Letter: Private Text or Public Place? The Mattioli-Gesner Controversy about the aconitum primum, in: Gesnerus 61 (2004), S. 161-176. (detaillierte Ansicht)
- Leon Elaut: De briefwisseling tussen Willem Quackelbeen en Pierandrea Mattioli, in: Biologisch jaarboek 22 (1955), S. 50-74. (detaillierte Ansicht)
- Pietro Andrea Mattioli (Siena 1501 - Trento 1578). La vita, le opere, con l'identificazione delle piante, hrsg. v. Sara Ferri, Perugia 1997. (detaillierte Ansicht)
- Paula Findlen: The formation of a scientific community: Natural history in sixteenth-century Italy, in: Anthony Grafton / Nancy G. Siriasi (Hg.): Natural particulars: nature and the disciplines in Renaissance Europe, Cambridge (Mass.), London 1999, S. xxx-xxx. (detaillierte Ansicht)
- Harry Kühnel: Pietro Andrea Matthioli. Leibarzt und Botaniker des 16. Jahrhunderts, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15 (1962), S. 63-92. (detaillierte Ansicht)
- Pietro Andrea Mattioli: Epistolarum medicinalium libri V, Prag 1561. (detaillierte Ansicht)
- Richard Palmer: Medical botany in Northern Italy in the Renaissance, in: Journal of the Royal Society of Medicine 78 (1985), S. 149-157. (detaillierte Ansicht)
- C. Raimondi: Una lettera inedita di P. A. Mattioli a G. Faloppio, in: Bullettino senese di storia patria 10 (1903), S. 279-289. (detaillierte Ansicht)
- Carlo Raimondi: Una lettera di Pietro Andrea Mattioli al Collegio dei medici di Lucca con la risposta, in: Atti della Real Accademia dei Fisiocritici (Siena) IV/13 (1902), S. 89-103. (detaillierte Ansicht)
- Claudio Raimondi: Lettere di P. A. Mattioli e di Ulisse Aldrovandi, in: Bollettino senese di storia patria 13 (1906), S. 121-185. (detaillierte Ansicht)
- Günther Schmidt: Ein bisher unbekanntes Bildnis von P.A. Mattioli (1500-1577), in: Sudhoffs Archiv 30 (1937 38), S. 133-. (detaillierte Ansicht)
- Leopold Senfelder: Beiträge zu einer Biographie des Petrus Andreas Matthiolus, in: Wiener medizinische Wochenschrift 1931 (1931), S. 1479-1482. (detaillierte Ansicht)
- Josef Smolka / Marta Vaculínová: Renesanční lékař Georg Handsch (1529-1578), in: Dějiny věd a techniky 43 (2010), S. 1-26. (detaillierte Ansicht)
- Jerry Stannard: P. A. Mattioli: sixteenth century commentator on Dioscorides, in: Bibliographical Contributions (University of Kansas Libraries) 1 (1969), S. 59-81. (detaillierte Ansicht)
- Leibärzte, hrsg. v. Otto Zekert, Wien 1958. (detaillierte Ansicht)
Archivalien
Biblioteca Comunale degli Intronati Siena
- K XI 52 - Documenti (Iter 2,157)
Konsilien
- Scholz 1650, 118-159 (1 Konsil!, o.D.)
Briefe
Vorsicht bei der parallelen Aufnahme von Briefen aus zwei Druckausgaben, Gefahr der Doppelaufnahme - zumal fast alle Briefe ohne Datum gedruckt wurden!
Briefe von Pietro Andrea Mattioli
Briefe an Pietro Andrea Mattioli
| Absender | Standort | Signatur | Edition | Anmerkung | Literatur | Seiten | Bearbeitung | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Giulio Alessandrini an Pietro Andrea Mattioli (1) | Julius Alexandrinus | ÖNB Wien | Cod. 11183 | Jul. 1564
mglw. = Adis 28518; Hs. noch nicht online (1/2020) update 2023: Unter www.manucripta.at keinerlei Treffer für Alessandrini; Eintrag offenkundig falsch. US | Kühnel 1962 | 70 | unbearbeitet |